la Lilette, 2018

Im Hochsommer bleiben die hölzernen Fensterläden in den Häusern der Provence geschlossen. 
So auch in jenem alten Haus, welches einem Maler als Wohnsitz und Atelier in den warmen Monaten des Jahres dient und dem er einen Namen gab:
la lilette.
Man verbringt die heißesten Stunden im kühlen Dämmern der Mauern. Die Wahrnehmung der Räume, so sie denn ausreichend Winkel und Flächen für Lichtverläufe bieten, reduziert sich auf das Wirken der Schatten, die mit dem Restlicht konkurrieren. 
 
Denn erst im Licht werden die Gegenstände und Formen der Umgebung für uns zur Wirklichkeit. In der Konzentration auf dieses Ereignis und in der fotografischen Untersuchung im Inneren der Räume erscheinen feine farbige Relationen und tonale Nuancen, die abstrakte Interpretationen ermöglichen und so auf das Wesen des Lichts verweisen.
 
Die Arbeit la lilette ist eine systemimmanente Betrachtung über die ureigensten, doch nicht minder aktuellen Spannungsfelder in der Fotografie: die Wahrnehmung von Licht und Schatten und die Verläufe, die im Dazwischen liegen - und bei allem aktuellen visuellen Getöse auch ein Plädoyer für die Wucht und das Vertrauen auf die Kraft der Stille.